Das Blurb-Fotobuch

Wer meinen vergeistigten Jahresrückblick gelesen hat, der wird sich erinnern, dass ich den Druck von Fotos als Stiefkind des Jahres bezeichnet habe. Um ehrlich zu sein, bin ich daran selbst schuld: Meine Brautpaare bekommen alle bearbeiteten Fotos als jpeg auf DVD und gut ist. Manchmal werde ich auch gebeten, ein Hochzeitsalbum zu gestalten, dann mache ich das, bisher immer mit den Büchern von Apple, aber irgendwie war Drucken und Layouten nie so mein Thema. Das ändert sich gerade: Der Unterschied eines Fotos auf dem Monitor und in der eigenen Hand beträgt mindestens 3,5 Lichtjahre. Vielleicht sogar 3,7.

Nachdem mir Saal Digital angeboten hatte, einmal deren Fotobuch zu testen, war ich im Herbst letzten Jahres wieder auf den Geschmack gekommen und habe mir ein neues Portfoliobuch gestaltet. Mit vielem war ich sehr zufrieden, mit einigem nicht, wie man hier nachlesen kann. Vor allem störte mich, dass das Buch zu dicke Seiten hat und keinerlei Elemente, die ein Buch zu einem Buch machen: Kein Vorblatt aus anderem Papier, kein Schutzumschlag. Das Buch von Saal liefert gute Qualität und wäre für Urlaube und Reisen auch immer eine Option, aber als edles Giveaway für meine Brautpaare? Hmm…

Buch modul

So sieht das Buch-Modul von Lightroom aus

Nun trug mich das Schicksal über Silvester nach Istanbul. Fotografisch hatte ich meine Erwartungen aufgrund der Jahreszeit sehr zurückgeschraubt, zudem wollten wir vor allem Freunde besuchen und nicht fotografieren. Ich nahm die Olympus mehr für ein paar Schnappschüsse mit und hatte keinerlei übertriebene Erwartungen an die Ausbeute. Am Ende kam ich mit 700 Fotos nach Hause, weil diese Stadt einfach so unfassbar viele Motive bietet. Und irgendwie war mir das zu schade für die Festplatte. Was tun? Mehr aus Jux klickte ich das erste Mal in meinem Lightroom-Leben auf den Reiter „Buch“. Ich wusste, dass Blurb und Adobe eine Kooperation eingegangen waren, hatte das aber nie ausprobiert. Nun begann ich ein bisschen zu layouten und nach kurzer Zeit wusste ich: Ich bin angekommen: Direkt aus Lightroom zu arbeiten, im gewohnten Umfeld zu bleiben ist schon mal klasse für den Workflow. Ich kann Bilder nochmal anpassen, anders beschneiden und dann gleich im Buch weiterverarbeiten. Blurb kennt verschiedene Formate, ich kann mir die Farbe des Leinencovers aussuchen, die Farbe der Vorblätter und einen Schutzumschlag zum Gestalten gibt es auch. Weniger will ich nicht, mehr brauche ich nicht. Das Design der Seiten ist schlicht, abhängig von der gewünschten Fotoanzahl, die man unterbringen möchte, gibt es unterschiedliche Layouts, die mir durchweg gefallen, dabei kann man sich Doppelseiten ansehen, eine Seite einzeln oder das ganze Layout. Ich lasse den Fotos inzwischen sehr viel Platz und verzichte lieber auf ein paar Bilder, als die Seiten so voll zu packen, außerdem layoute ich nicht mehr an den Rand der Seite, aber das ist natürlich Geschmackssache. Für alles bringt Blurb aber Designvorlagen mit.

Der Upload dauerte bei mir sehr lange, was vielleicht auch daran liegt, dass ich das Layout mit den Raws gemacht habe und Lightroom beim Upload im Hintergrund die jpegs gerechnet hat. Am Ende konnte ich nochmal Papier, Einband und Vorblätter auswählen und auswählen, ob ich auch ein pdf aus dem Buch erstellen wollte. Ich habe das mal gemacht, um es zu testen. Das kostet ca. 3,- € und nach dem Upload bekommt man einen Link, wo man sich sein Buch als pdf herunterladen kann. Gut zum Verschicken. Außerdem bietet Blurb die Möglichkeit, über einen Shop sein Buch zum Kauf anzubieten. Aber wir wollen ja nicht größenwahnsinnig werden, wer kauft denn mein Buch?

Am Ende hatte mein Buch 72 Seiten und kostete rund 100,- $, das liegt im Feld aller anderen Anbieter. Blurb lässt sich den Wegfall des Logos entlohnen, spätestens nach dieser Lobhudelei sollten die mir diesen Betrag erstatten…

Was Blurb allerdings allen anderen Anbietern voraus hat, die ich kenne, ist das unfassbar schöne Papier „Proline unbeschichtet“. Es ist ein offenporiges Papier, das sich fast wie ein sehr, sehr feines Löschblatt anfühlt und einen großartige Haptik hat. Es hat einfach gar nichts mit Fotopapier zu tun und ist gerade deswegen so besonders. Natürlich gibt es auch normale Papiere, aber die paar Taler Aufpreis war es mir wert. Die Druckqualität ist über jeden Zweifel erhaben, lediglich schwarz-weiß-Aufnahmen bekommen auf dem Papier eine ganz, ganz leichte bräunliche Färbung, am ehesten vergleichbar mit einem Duotone Druck. Es bietet eben nicht die Knackigkeit eines Glanzpapiers. Außerdem hat dieses Buch keine Lay-Flat-Bindung, sondern ist eben wie ein Buch mit einem tiefen Falz in der Mitte. Also nichts für unsere Panaorama-Freunde…

Nach dem Upload und der Bezahlung dauerte es trotz Wochenende keine vier Tage, bis FedEx das Buch mit Absender aus den Niederlanden brachte. Kurzum: Ich bin begeistert! Alles passt, das Papier ist super schön, der Einband und der Umschlag stabil und gut verarbeitet, die Druckqualität ist 1a und die Liefergeschwindigkeit unschlagbar: Die Versandbestätigung kam, als das Buch schon hier war.

Ich werde ab jetzt alle Bücher bei Blurb machen, wenn die irgendwann noch eine schicke Box dazupacken, in die ich meine DVD packen kann, dann bin ich vollends glücklich. Aber auch so spricht vieles dafür, ein solches Buch standardmäßig in meine Hochzeitspakete aufzunehmen. Es ist genau das, was ich mir als Hochzeitspaar als Buch wünschen würde. Hier noch ein paar Fotos, aber wie gesagt: Der Reiz eines Buches liegt im Anfassen, im Riechen und immer wieder Anschauen.

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


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