Vollformat oder MicroFourThirds – Watt denn nu?

Ich habe mich jüngst etwas ausführlicher in zwei Beiträgen mit der Frage beschäftigt, ob mft möglicherweise geeignet wärte, meine Vollformat-Kameras bei Hochzeiten abzulösen und habe damit viel Interesse ausgelöst. Den ersten Teil könnt Ihr hier lesen, den ersten Einsatzbericht bei Hochzeiten gibt es hier. Der zweite Teil war etwas ergebnisoffen, da ich mir nicht sicher war, ob sie nun wirklich mein Vollformat-System ablösen würde.

Inzwischen erreichten mich viele Mails und Fragen, wie es denn nun weitergegangen wäre und ob ich nun komplett umgestiegen wäre. Da mich Eure Fragen wirklich freuen und ich sie auch beantworten möchte, ohne immer das gleiche zu schreiben, habe ich allen versprochen, noch eine Zusammenfassung im Blog zu liefern. Dieses Versprechen möchte ich hiermit einlösen.

Für die Schnelleser unter Euch das Fazit zu Beginn: Nein, ich bin nicht umgestiegen. Aber aus anderen Gründen, als Ihr denkt.

Ich hatte die Olympus OM-D E-M1 ein paarmal auf Hochzeiten im Einsatz und sie hat mich nie enttäuscht. Ihre Vorteile sind geblieben: Klein, tolle Bildqualität, intuitiv zu bedienen, höhere Schärfentiefe ab Sensor. Ihre Nachteile sind es auch: Nur 16 MP, miese Akkulaufzeit, nur ein Speicherkartenschacht, geringeres Freistellungspotential ab Sensor, schlechtere Iso-Performance.

Ich hatte mir neben dem 12-40 2.8 das 45 1.8 gegönnt und noch das unfassbar gute, aber teure Lumix 7-14 4.0 von Panasonic, weil mir am Vollformat ein echtes Ultra-Weitwinkel fehlte. Und so wanderte die E-M1 immer mal wieder mit, vor allem mit dem 7-14 bestückt, um Übersichten einzufangen oder mal ein ungewöhnliches Paarfoto zu machen.

Und hier lag das Problem: Für einen speziellen Bildwinkel eine eigenen Kamera mitzuschleppen, machte auf Dauer keinen Sinn. Um die Oly als Hauptsystem zu nutzen, hätte ich mein ganzes System umstellen müssen, so dass es den gleichen Funktionsumfang meines Vollformatsystems hat: 2 Bodys, lichtstarke (f=1.4) Festbrennweiten von 24mm, 35mm, 50mm bis 85mm, 100mm Makro und Zoom 24-70 2.8 sowie 70-200 2.8, sowie Blitze etc. Dieses wäre vermutlich möglich, aber doch mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden gewesen. Ausserdem waren die Nachteile eben nicht zu übersehen: Ich croppe gerne mal aus einem Hochformat ein Querformat, da sind 16MP schnell sehr knapp, ausserdem hält die Oly keine Hochzeit ohne Akkuwechsel durch und ein zweiter Speicherkartenschacht beruhigt auch ungemein, wenn man damit alleine eine Hochzeit fotografiert. Unter dem Strich überwogen die Vorteile nicht die Nachteile, oder zumindest nicht derartig, dass ich mein gesamtes System gewechselt hätte. Denn das hätte bedeutet, komplett auf meine 5DIII zu verzichten. Am Ende hieß es also: Hier ist nur Platz für einen von Euch… Shootout!

So kam es, wie es kommen musste: Das wirklich gute Panasonic tauschte ich gegen das mindestens genauso gute 16-35 4.0 L IS von Canon und bin nun für meine Hochzeiten bei Vollformat geblieben. Mein Hauptproblem, das mich mal zur Oly trieb, nämlich das Gewicht, habe ich nun so in den Griff bekommen, dass ich immer weniger mitschleppe. Ich habe inzwischen Hochzeiten schon weitgehend mit 35mm und 85mm fotografiert und das 24-70 sowie das 70-200mm zu Hause gelassen.

Wer nun meine Oly günstig haben möchte: Pech gehabt! Ich mag sie wirklich sehr und sie kann gar nichts dafür, nun nicht mehr auf Hochzeiten dabei zu sein. Sie ist meine Reisekamera, ich nutze sie für Locationchecks, ab und an mal ein Probeshooting oder auch die ein oder andere Porträtsession, wenn die Motive und damit die notwendigen Brennweiten vorausschaubar sind. Da ich inzwischen immer mal wieder People- und auch Fashion-Sachen fotografierem kommt sie immer wieder zum Einsatz und macht dann auch wirklich Spaß. Auf Reisen reicht sie mir vollkommen, das 12-40 tut seinen Dienst und das 45 1.8 ist eine tolle Porträtbrennweite. Für Street und Reise ist sie auch wegen des beweglichen Monitors hervorragend geeignet. So habe ich z.B. meine gesamte Reise nach Istanbul damit fotografiert. Sie bleibt also in meinem Besitz und auch in meinem Herzen!

Das soll als kurzes Fazit reichen. Zur Ehre der Oly hier noch ein paar Fotos…

 

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


2 Comments:

  1. Michael
    August 02, 2015

    Absolut ehrlicher und gut geschriebener Artikel.
    Habe auch schon versucht auf Hochzeiten meine MKIII gegen die oly zu tauschen aber genau die von dir angesprochenen Punkte kann ich 1:1 so unterschreiben….was mich am meisten stört ist die Tatsache das iso1600 schon sehr grenzwertig sein kann..

  2. Simon
    August 18, 2015

    Danke für den Bericht. 🙂
    Wobei du Dir schon noch ein wenig widerspricht: Du sagst du hast 24-70 und 70-200 schon zu Hause gelassen und dir so Gewicht gespart…Das bedeutet du bräuchtest du das teure Zeug von Oly ebenfalls nicht unbeding (Kosten für Umstieg war ein Argumen) oder wenn du umgestiegen wärst, könntest du vom Verkaufserlös dieser Objektive und Bodies weiterhin „24-70“ und „70-200“ Äquivalenz mitnehmen (plus Festbrenner natürlich) bei ähnlichem Gewicht wie jetzt nur mit 35 und 85 und hättest mehr Optionen.

    Einzig das MP Argument (naja teilweise) und die ISO/Freistellung leuchten mir ein!- Ich bin übrigens momentan am Überlegen, mir eine Oly Ausrüstung ebenfalls als Ergänzung zum Canon FF zuzulegen…Glaube aber auch dass ich von FF so schnell nicht loskomme (zumindest für Aufträge)

    Kann aber verstehen dass du dich so entschieden hast, mir würde ein Komplettverkauf des kompletten Equipments auch schwerfallen, vor allem da man halt echt kaum Einschränkungen hat mit FF – außer dem Gewicht

    Grüße


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