Die Olympus OM-D E-M1 auf Hochzeiten (Teil II)

Vor einiger Zeit habe ich mein ersten Eindrücke zur Olympus OM-D E-M1 aufgeschrieben, um denjenigen, die wie ich mit dem Gedanken an einen Umstieg vom Vollformat auf Spiegellose spielen, eine Hilfestellung zu geben.

Die Resonanz war überwältigend, vielen Dank! Mich haben viele Mails und Anrufe erreicht von Fotografinnen und Fotografen, die offenbar vor der gleichen -schwierigen- Entscheidung standen und denen ich mit meinem Beitrag etwas helfen konnte. Immer wieder wurde dabei auch nach dem zweiten Teil gefragt, den ich leichtfertigerweise im ersten Teil angekündigt hatte, in dem ich die OM-D E-M1 auf Ihre Hochzeitstauglichkeit testen wollte.

Hier ist er. Allerdings mit einigen Einschränkungen, die ich vorab erwähnen möchte.

Ich habe lediglich die OM-D E-M1 mit dem Zoom 12-40 2.8. Diese Kombi muss antreten gegen zwei Vollformat-Bodies mit einem Festbrennweitenpark, der mir durchgehend f=1.4 zur Verfügung stellt, 3 Blitzen und allerlei Zubehör. Das ist ehrlichgesagt nicht wirklich „Waffengleichheit“ und hat schlicht dazu geführt, dass ich die OM-D E-M1 z.T. nur sehr sparsam eingesetzt habe.

Ich habe von den letzten 4 Hochzeiten nur begrenzt Bildmaterial, weil es entweder nicht freigegeben oder noch nicht ausgeliefert ist und ich mich daran halte, keine Bilder zu verwenden, die meine Paare noch nicht gesehen haben. Ggf. reiche ich da noch etwas nach. Dafür habe ich ein Shooting für Porträtaufnahmen hinzugenommen, weil hier die Oly ihre Stärken ausspielen kann.

Die Hochzeiten waren recht unterschiedlich, weshalb ich sie einfach mal heruntererzähle, sie zeigen nämlich sehr gut die Stärken und Schwächen der OM-D E-M1.

1. Hochzeit bei Hamburg, Erster Einsatz, es läuft!

Das Standesamt habe ich fast komplett mit der OM-D E-M1 fotografiert, ausschließlich mit dem 12-40 2.8. Anfangs selbst etwas unsicher wegen eines neuen Systems hatte ich die 5DIII dabei, aber habe mich gezwungen, die OM-D zu nutzen. Ergebnis: Eine etwas skeptische Frage des Bräutigams, die Kamera sei ja „ganz schön klein“ und eine tolle Ausbeute. Ich bin mit Bildqualität, Schärfe und dem Handling zufrieden, die OM-D gibt mir aufgrund des Klappdisplays Freiraum für neue Perspektiven. Nur für die Aufnahmen, die einen Blitz brauchen, nehme ich die 5DIII.

Die Feier fotografiere ich fast ausschließlich mit der 5DIII. Mir fehlt etwas Adäquates für das 70-200 2.8 IS. Die Freie Trauung draußen würde zwar lichttechnisch auch für die E-M1 taugen, aber ich will nicht auffallen und setze auf die lange Brennweite. Notiz an mich: Ich muss mir das neue 40-150 2.8 anschauen, vor allem hinsichtlich Freistellung und Bokeh. Das 70-200 ist schon ein Hammerobjektiv…

Bei der anschließenden Feier bleibe ich eher beim Vollformat, weil ich immer wieder den Blitz brauche, den ich für die Oly nicht habe. Einige Stills habe ich dann doch mit der Oly gemacht und den Stabilisator zu schätzen gelernt.

 

2. Hochzeit in Sankt Peter Ording: Die Kleine spielt groß auf!

Das Standesamt ist finster wie ein Bärenpopo: Ein reetgedecktes Heimatmuseum mit Funzelfenstern und Butzenscheiben. Keine Chance für die Oly, denke ich. Fehlanzeige: Ich fotografiere fast ausschließlich mit ihr, nur den Ringwechsel will ich sicher haben und setze auf den Blitz und die 6D, alles andere mit der Oly, immer bei ISO 1600. Die Belichtungskorrektur im Display ist klasse: Ich konzentriere mich auf die bildwichtigen Teile und korrigiere genau darauf, der Rest säuft halt ab oder reißt aus, mir egal! Ich habe das erste Mal wirklich das Gefühl, intuitiv mit dem Licht zu arbeiten und zu gestalten. Läuft, ich liebe die Oly!

Anschließend das Paarshooting am Strand bei Windstärke 6. Der Staubschutz der Oly und des 12-40 läuft zu hoher Form auf. Das Paarshooting läuft klasse, tolle Ergebnisse, das kleine Ding macht knackscharfe Fotos, ich kommuniziere mit meinem Paar auch gegen den Wind, löse zum Teil aus, ohne durch den Sucher zu schauen, die Gesichtserkennung macht das schon. Ich bin begeistert.

Noch ein paar schöne Details im „Zweite Heimat“ und schon ist der tolle Auftrag erledigt. Die ersten Batterien der Oly sind am Ende: Hektisches Blinken im Display… Marathon ist nicht ihre Disziplin.

Von dieser Hochzeit kann ich Euch leider keine Fotos zeigen, nur ein paar Detailaufnahmen.

3. Hochzeit im Rheingau. Ich kneife: Canon reibt sich die Hände…

Von rund 800 fertigen Bildern für das Paar sind 8 von der OM-D E-M1. Diese Hochzeit ist nichts für sie: Die Basilika auf Schloss Johannisberg ist finster und die Feierlocation, ebenfalls eine entwidmete Klosterkirche ist es noch mehr. Hier geht nur ISO 3200 und mehr denke ich und nehme die Oly gar nicht mit in die Kirche, sondern verlasse mich auf meine Kombi 5DIII mit 85 1.4 und 6D mit 35 1.4. Im Nachhinein merke ich, dass viele Bilder auch mit der OM-D gegangen wären, aber letztlich muss ich mich in solchen Situationen begrenzen und auf ein System setzen, das ist dann im Zweifel Canon Vollformat. Ich tue der Oly ein wenig unrecht und entschuldige mich morgens bei ihr.

Abends darf sie ein wenig ihren Stabi testen und ich mache in Ruhe ein paar Aufnahmen der Location mit ihr. Fazit: In Grenzbereichen entscheidet man sich für ein einziges System. Hier hätte ich mich bewusst für die Oly entscheiden müssen, habe der Einfachheit halber aber auf die 5D und die 6D gesetzt. Schade für die Oly, sie kann nicht wirklich zeigen, was sie drauf hat. Hier wäre ein Weitwinkel mit 1.8 schön gewesen und für das Paarshooting das 75 1.8. Diese Hochzeit zeigt die Nachteile des Parallelbetriebes von zwei Systemen. Am Abend bin ich nach 13 Stunden körperlich fix und fertig, hätte ich hier mal konsequenter auf die Oly gesetzt…

4. Letzte Hochzeit des Jahres in Hamburg: Gebt mir Linsen  und Blitze!

Ein trüber Oktobertag, etwas regnerisch, neblig, eine weiße Villa mit Vorhängen in einem herbstlichen Park in Hamburg. Das Paarshooting muss drinnen stattfinden, der Park ist zu vermatscht und nass. Ich starte mit der Oly und stelle fest, dass ich mich die ganze Zeit im Grenzebereich bewege: das 12-40 2.8 ist jetzt nicht wirklich ein Lichtriese und schließlich wechsele ich auf die 5DIII und mache mit ihr der Einfachheit halber den Rest. Auch Trauung und Party benötigen letztlich den Blitz, ich bleibe bei der 5D. Auch hier kommt die Oly nicht voll zum Zuge. Einige Fotos folgen noch.

5. Porträfotos in der HafenCity in Hamburg: Heimsieg!

Heimspiel für die OM-D: Gute und stabile Lichtbedingungen, ein zeitlich überschaubares Shooting, kein Blitz nötig und das 45 1.8 als Festbrennweite völlig ausreichend, weil Flexibilität nicht wirklich gefragt ist. Mein Model bezeichnet sich eher als zurückhaltend und entspannt spürbar, als sie die kleine Oly auf dem Tisch liegen sieht, als wir den ersten Kaffee vor dem Shooting trinken. Beim Shooting in der Hamburger Speicherstadt und in der Hafencity passt sie sich herrlich an: Sie ist klein, aber auf zack. Bilder lassen sich auf dem Touch-Display schnell anschauen, blättern und vergrößern, die Kommunikation mit meiner Kundin funktioniert, ich genieße das geringe Gewicht und bin entspannt. Hier läuft die Oly zu großer Form auf.

 

Was bleibt? Ein möglicherweise etwas überraschendes Fazit: ich werde im Folgenden die Schwächen der Oly sehr deutlich benennen, trotzdem ist diese Kamera großartig und ich liebe sie sehr, weil sie unbestreitbare Stärken hat.

1. Die kleinen Sensoren brauchen „mehr Licht“.

Fragt mich nicht nach Physik, aber ein und dieselbe Zeit-Blenden-ISO-Kombination führt zu unterschiedlichen Ergebnissen: Leif von Highleif hat das anhand des Vergleiches zwischen der Nikon D4 und der Olympus E-M1 mal nachgewiesen (Sein Ergebnis findet Ihr hier). Ich kann diesen Eindruck bestätigen: Die OM-D ist bei gleichen Einstellungen dunkler. Vergleicht man dann noch die bei mir verfügbaren Objektive mit denen für Vollformat, kommt schnell einiges an „Licht“ zusammen, das mir „fehlt“ zwischen 1.4 an Vollformat und 2.8 an Micro-Four-Thirds. Mein 12-40 2.8 entspricht gefühlt einem 24-80 4.0. Keine Kombi, mit der alleine ich mich in Hochzeiten wagen würde, trotz Stabilisator. Nicht umsonst liegen für mft die ersten Objektive mit Lichtstärken <1.0 vor. Fazit: Die E-M1 ist kein Nachtsichtgerät, finstere Kirchen, dunkle Stübchen und andere schummrige Kaschemmen sind nicht ihr Terrain. Um das auszugleichen, müsste man sie wirklich mit guten Linsen ausstatten, was ich bisher noch sehr begrenzt getan habe. Das hat auch dazu geführt, dass ich im Zweifel auf meinen Canon-Bodies gesetzt habe, weil ich letztlich gegenüber meinen Kunden auch „liefern“ muss und nicht zu sehr mit der OM-D experimentieren konnte. Ich glaube, wenn man die Kamera mit sehr guten Linsen konsequent an die Grenzen der ISO- und der Stabilisatorleistung führt, wird man überrascht sein, unter welchen Bedingungen diese Kamera noch „liefert“. Ich werde das über den Winter in Ruhe machen und vermutlich selber überrascht sein. Ich bin mir sicher, die Oly noch nicht voll gefordert zu haben.

2. Der Sucher ist nicht wirklich gut

Auch wenn alle begeistert sind: Mich flasht der Sucher nach wie vor nicht. Er taugt zur Komposition, aber weder ist er so homogen wie ein optischer Sucher noch gibt er einem so schnell und unmittelbar eine Rückmeldung wie sein DSLR-Pendant. Dafür freut man sich, wie geil gut das Bild geworden ist, wenn man es auf dem Display sieht.

3. Batterien, mein Freund, Batterien!

Meine 5DIII macht mit 2 Akkus eine 14-Stunden-Hochzeit locker mit. Die Oly knickt mit 2 Akkus nach ca. 800 Aufnahmen ein. Früher nahm ich nie Ersatzakkus mit, weil ich ja auch noch die 6D im Anschlag hatte. Für Hochzeiten decke man sich mit ausreichend (auch nicht wirklich günstigen…) Akkus ein.

4. Nehmt den Batteriegriff!

Aus dem oben genannten Grund sowieso, aber auch, um das Handling zu verbessern. Die paar Gramm machen den Kohl nicht fett und der zweite Auslöser ist es wert. Weshalb Olympus am Griff aber ein anderen Knöpfe-Layout hat, als am Body, bleibt deren Geheimnis. Was wirklich ärgerlich ist bei einem Griff, der über 200,- € kostet, dass Auslöser und Rändelrad am Griff eine andere Form und vor allem andere Druckpunkte beim Auslösen bzw. Drehen haben, als der Body.

5. Kauft gute Linsen!

Ist eine LBinsenweisheit, aber viele von uns wissen gar nicht, was sie an Glas für ihre Nikons und Canons inzwischen ausgegeben haben und erwarten von einer OM-D mit Kit-Zoom ähnliche Leistungen. Das 12-40 2.8 ist ok, aber es ist eben mit einer Festbrennweite 1.4 nicht zu vergleichen. Und genau damit arbeite ich an meiner Canon. Um die OM-D fair zu beurteilen, sollte sie mit ähnlichem Glas ausgestattet sein. Und das gibt es (noch) nicht immer und für jeden Bedarf.

Mein sehr persönliches, bisheriges Fazit:

  • Die Olympus OM-D E-M1 eignet sich sehr gut auch für Hochzeiten, bisher allerdings nicht als alleiniges System. Es gibt Situationen, in denen möchte ich meine 5D nicht missen, nicht die tollen Linsen, die ich dafür habe, und die mir für die OM-D noch fehlen oder gar nicht erhältlich sind.
  • Ich werde sie Stück für Stück weiter ausstatten, um ihren Einsatzbereich zu erweitern z.B. mit weiteren Festbrennweiten, einem vernünftigen Blitz, um sie zu einem immer einsetzbaren System zu ergänzen. (Bereits gekauft: das 7-14mm von Panasonic statt des 16-35 von Canon, nein ich verspreche kein Review…) Meine 6D werde ich mittelfristig verkaufen, weil ich nicht mehr mit zwei Vollformat-Bodies auf Hochzeiten herumturnen werde. In Zukunft Olympus OM-D E-M1 und Canon 5DIII mit einer langsamen Verlagerung hin zu Oly.
  • In direkter Konkurrenz zur DSLR muss man die Oly „wollen“. Ich habe gemerkt, dass ich häufig auf das vertraute System Canon gewechselt habe, obwohl es auch mit der Oly gegangen wäre. „Sicher ist sicher“ geht meist auf Kosten der Oly, sie bleibt dann unter ihren Möglichkeiten. Fordert sie, gebt ihr eine Chance!
  • Der für mich größte Vorteil: Sie arbeitet mit mir, sie macht mich beweglich und kommunikativ, schnell und unauffällig, mehr zu einem Gast als zum Fotografen. Sie verschreckt niemanden, sie blockiert nicht, sie belastet nicht, sie fügt sich ein. Ich merke das vor allem bei Porträt-Shootings. Wenn ich dieses entspannte Fotografier-Feeling auch zu 100% bei Hochzeiten bekomme, macht sie mich: glücklich.

Ich freue mich auf Eure Erfahrungen und Kommentare!

(Hier gehts zum ersten Teil!)

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


5 Comments:

  1. acahaya
    November 09, 2014

    Erst mal Danke für den informativen und gut geschriebenen Erfahrungsbericht.
    Ich rate Dir, Dich mal mit Dirk von brautrausch zu unterhalten, er fotografie Hochzeiten derzeit mit 2 E-M5 und kann Dir hochzeits-spezifische Fragen in Bezug auf Blitze und Objektive sicher aufgrund seiner eigenen Erfahrung beantworten.
    Bei den B,itzen wirst Du eine ähnliche Erfahrung machen wie bei den Akkus, selbst der FL50R ist nicht wirklich stark auf der Brust und ich wage zu bezweifeln dass die Refresh Rate auf die Dauer ausreicht. Du bist ja in HH, da sollte es mein Problem sein, das mal auszuprobieren. Einfach mal den Oly Nord Stammtisch besuchen, da kann man auch mal für einen selbst interessante Objektive näher ansehen.
    Ansonsten ist von Oly ein 7-14/2.8 für nächstes Jahr angekündigt, könnte du rchaus für Dich interssant sein.

    Wünsche weiterhin viel Spaß und gute Ausbeute,
    Sabine

  2. DonParrot
    November 09, 2014

    Danke für den erneut sehr sachlichen Bericht.

  3. Frank
    November 28, 2014

    Danke für diesen Bericht, hat mir sehr bei der Entscheidungsfindung „Abkehr vom 35mm System“ auf etwas handlicheres geholfen.
    Meine Erfahrung bis jetzt mit der Oly: das Vollformatgedöns kommt nur noch Indoor zu Hause zum Einsatz.

  4. Carsten
    September 26, 2015

    Adäquater Ersatz für das 70-200 2.8 IS … wäre vielleicht das Zuiko 35-100 2.0 …durchgehend hohe Qualität auch bei f2.0… Nachteil: Groß, Gewicht, und es ist nicht das Schnellste. Trotzdem auch bei Hochzeiten mein Liebling für (fast) alle Gelegenheiten.

  5. Alexander Behrens
    Oktober 05, 2015

    Moin Matthias,

    danke für deinen Beitrag.
    Er hat mich bei der Kaufentscheidung gut unterstützt.

    Ich stand letztens vor der Überlegung mir eine Nikon D750 mit 24-120 F/4 oder eine OMD EM1 mit dem 12-40 F/2.8 Pro zu kaufen. Da ich schon eine D750 hatte, viel mir die Entscheidung nicht leicht. Jetzt habe ich eine OMD EM1. Auf der letzten Hochzeit war ich mit beiden Kameras unterwegs. Die Oly ist schön leicht und fällt kaum auf. Man kann mit Ihr auch sehr schöne Bilder. Worüber ich mich bei der OMD besonders freue, ist das Firmware Update auf die Version 4. Damit kommt der Elektronische Verschluss als weitere Funktion dazu. Somit fällt es in der Kirche / Standesamt nicht auf wo und wann man fotografiert.

    Ein Objektiv mit Blende 1.8 oder 1 muss ich noch dazu haben. Die Oly braucht Licht.

    Grüße Alex


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