Gedanken zur Hochzeitsfotografie III: Der eigene Stil

Eine kleine, spontane und unregelmäßige Reihe von Gedanken rund um die Hochzeitsfotografie. Subjektiv, Widerspruch herausfordernd, zum Nachdenken anregend. Heute: Der eigene Stil.

Kennt Ihr das: Ihr blättert mal wieder durch das Portfolio eines Fotografen und bekommt Pipi in die Augen: Wow, diese Farben und dieser Look und dann dieses Spiel mit Schärfe und Unschärfe. Wie macht der das? Das mache ich nächstes Mal auch!

Einige von uns mögen bei ihrem unverwechselbaren Stil angekommen sein. Glückwunsch, Champions League! Die meisten -und ich rechne mich dazu- schauen immer wieder rechts und links, was die anderen so machen, finden dabei tolle Dinge und versuchen diese in die eigene Arbeit zu integrieren. Kaum macht einer etwas, machen es sehr viele nach. So entsteht Mainstream. Bei uns Hochzeitsfotografen wechseln die Moden ziemlich schnell: Verträumte, pastellige Gegenlichtaufnahmen bei der einen Fotografin, Analog-Look mit VSCO-Presets beim anderen, Schwarzweiß ohne echtes Schwarz und echtes Weiß, dunkle Vignetten, künstliches Korn. Jeder Regler in Lightroom wurde schon bewegt, jedes Preset teuer ver- bzw. gekauft und tausendfach angewendet. Und bei der Hochzeit an sich ist es nicht anders: lustige Bärtchen, Luftballons, „Mr. und Mrs.“-Schildchen oder Vintage-Hochzeiten mit Hosenträgern und albernen Hütchen: Alles schon x-mal gesehen.

Leider drängen uns auch manchmal die Kunden dazu, weil ihr visuelles Gedächtnis von Bildern geprägt ist, die sie im Netz oder in Büchern finden. „Wir hätten gerne Fotos wie die von Steffen Böttcher (wahlweise: Carmen und Ingo, Paul liebt Paula etc. etc.), wollen aber nicht soviel dafür bezahlen.“

Egal, wen von den Genannten oder allen anderen großartigen Hochzeitsfotografen man mag oder nicht mag: Diese Fotografen haben eine eigene, erkennbare Bildsprache entwickelt, die mehr ist, als nur ein individuelles Lightroom-Preset. Motivwahl, Umgang mit den Paaren, Schnitt, Stimmung, Bearbeitung: Alles ergänzt sich zu einem eigenen Stil. Auch wenn es einem optisch nicht gefällt: Respekt vor dieser kreativen Leistung. Sie wird meistens zu recht gut bezahlt.

Ist es nicht unsere Aufgabe, genauso unsere eigene, unverkennbare und nur bei uns zu findende Bildsprache zu entwickeln? Damit Paare bei uns anrufen und sagen: „Solche Bilder haben wir nirgendwo anders gesehen, wir wollen genau Dich für unsere Hochzeit!“

Aus eigener -täglicher- Erfahrung weiß ich, dass dies ein langer und steiniger Weg ist. Das Kopieren ist immer einfacher, als das eigene Entwickeln. Doch manchmal macht man dabei Dinge, bei denen einem erst nach einiger Zeit auffällt, dass man sie gar nicht mag, dass sie nicht zu einem passen, dass man sie schlicht nicht kann und daher schlecht macht. Alles nur, weil man denkt, das müsse man so machen, weil man das bei einem bekannten Fotografen gesehen hat, den man vielleicht auch noch bewundert.

Ich habe für mich das Gefühl, mich gerade von „falschen“ Dingen zu trennen und für mich „richtige“ zu finden, was ein großartiger Prozess ist. In der Bearbeitung werde ich immer sparsamer, konzentriere mich aufs Fotografieren, versuche dahin zu gehen, wo es wehtut, wo ich Schwächen merke. Ich bin auf der Suche nach meinem individuellen Stil längst noch nicht angekommen, aber alleine der Weg ist schon sehr geil.

 

Wie geht es Euch damit? Schon angekommen?

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


3 Comments:

  1. Anette
    November 14, 2014

    Oh nein, noch lang nicht angekommen. Aber mein Ziel ist ein anderes. Ich stelle meinen persönlichen Stil in den Hintergrund, er soll möglichst „neutral“ sein. Was ich will: Den Tag der Hochzeit für das Brautpaar möglichst so wiedergeben, wie er war. Natürlich hübsch anzusehen. Aber mit all seinen Facetten, mit den feierlichen Momenten, den lustigen, den komischen, den traurigen, den rührenden, den ernsten, den heiteren und auch den scheinbar langweiligen. Mein Ziel ist, dass das Brautpaar beim Ansehen der Fotos den Tag noch einmal durchleben kann. Und zwar durch die Momente, an die sie sich erinnern und durch die, die sie noch nicht kannten, weil sie nicht dabei waren (bzw. halt vorne in der Kirche, während hinten ein Kind gelangweilt in der Nase bohrte oder sich die Haare mit dem Weihwasser wusch). Vom Stil her mache ich einfach das, was mir persönlich gefällt. Ich mische mittlerweile auch gnadenlos. Generell mag ich den typisch weiblichen, eher sanften, hellen Look, aber manche Bilder brauchen starke Kontraste und tiefes Schwarz. Was ich übrigens immer noch gerne mal machen würde, wofür sich aber noch kein Paar gefunden hat: Eine Hochzeit mit dem iPhone fotografieren. Instagram-Wedding sozusagen. Um zu beweisen, dass auch ohne (na ja, fast ohne) Technik möglich ist, was ich mir fotografisch auf die Fahnen geschrieben habe: „Fotografieren ist Gefühle sammeln“. Liebe Grüße, Anette

  2. Thomas Barth
    November 14, 2014

    Deine Gedanken kann ich nachvollziehen, mir ging es da sicher vor einiger Zeit nicht anders. Aber im Prinzip kannst du dir die Gedanken einfach sparen ( trotzdem freue ich mich natürlich wenn du dich so mitteilst! ). Dein Stil entwickelt sich ganz einfach: nämlich genau durch das ( dein ) handeln. Immer wieder rechts und links zu schauen, was machen die anderen, was findest du gut, was entspricht nicht deinem Geschmack. So machst du Dinge die dir gefallen und das entspricht dann deinem Bildstil. Und das er sich mit der Zeit ändert ist gut so – soll er auch. Sonst geht’s du nicht mit der Zeit – denn auch in jedem anderen Bereich ändert sich dein Stil…. schau dir an was du vor 15 Jahren für Kleidung getragen hast! Die ziehst du heute auch nicht mehr an. Also – alles gut so…. und wenn du einen Mittelweg aus den oben genannten Fotografen gefunden hast – dann ist doch alles top! Viel Spaß auf deinem Weg weiterhin 😉

  3. Bodo Oerder
    November 16, 2014

    Ich denke Deine Gedanke spiegeln das wieder, wie es vermutlich sehr vielen geht. Mir spricht es aus der Seele. Ich bin auch noch lange nicht angekommen in der Phase, dass eben nicht mehr andere Bilder als Vorbild dienen, sie nachzuahmen und mit eigener Note in sein Repertoire aufzunehmen. Eigentlich wünsche ich mir den eigenen Stil abzuschließen und wenn, nur aus eigener Inspiration abzuwandeln. Aber können wir uns das überhaupt leisten? Müssen wir nicht mit der Zeit gehen? Sind wir schon schneller als die Zeit und entwickeln uns vor dem Mainstream? Kreieren wir den Mainstream? Das wäre für mich die Oberliga. Mal sehen, ob ich mich jemals so fühle, als ob ich da angekommen wäre.

    Vielen Dank für deinen Beitrag!
    Ich hoffe ich bekomme noch mehr..
    LG


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