Review: Der Thule Covert DSLR Rolltop Fotorucksack

Fächer und Täschchen ohne Ende

Fächer und Täschchen ohne Ende

Ich gebe ja zum, ich bin mehr der Taschentyp. Rucksäcke sind etwas für Backpacker und Leute, die unfassbar viel Equipment mit sich rumschleppen, also kurz vorm Trolley stehen. Eine Tasche wie die Compagnon Messenger mit ihren vielen funktionalen Schwächen, aber ihrer unauffälliger Eleganz ist mir lieber, als ein Rucksack, den man ständig auf und absetzen muss, wenn man an sein Gelumps möchte.
Doch für meinen New York Trip im März wollte ich einen Rucksack haben, weil ich wusste, dass ich mir dort die Füße wundlaufen würde und eine Tasche dabei mehr als nervig werden würde. Für mich musste der Rucksack folgende Punkte erfüllen:

  • Robust für den rauhen Alltag in der New Yorker U-Bahn
  • Kein reiner Fotorucksack, sondern ein Fotoabteil plus ein „normales“, da er gleichzeitig mein Handgepäck werden sollte.
  • Im Hauptfach musste Platz für Geld, Handy, Jacke, Wasserflasche und einen Reiseführer sein.
  • Ich benötige nicht zu viel Raum für Fotokram, denn ich wollte nur meine kleine Olympus, sowie drei Objektive und ein Mini-Tischstativ mitnehmen, sowie ein paar Filter, Akkus etc. Die Vollformat-Boliden bleiben diesmal zu Hause. Mehr zu meinem Equipment dort hier…
  • Der Rucksack sollte nicht sofort als Fotorucksack erkennbar sein, damit schieden Produkte namhafter Hersteller (LowePro, manfrotto) in dem Bereich schon fast aus.
  • Regenfest und guter Tragekomfort waren natürlich Grundvoraussetzungen

Nach langem Suchen bin ich beim Thule Covert DSLR Rolltop (Wow, ein Name wie Donnerhall…) gelandet. Thule kenne wir alle von den netten Autodachboxen, und ja, es ist die gleiche schwedische Firma, die man hierzulande eben weniger aus dem Bereich Taschen und Rucksäcke kennt. Individualität ist also schon mal gesichert. Optisch irgendwo zwischen Tornister und Kuriertasche angesiedelt, sprach er mich optisch an, und erfüllte beim ersten Blick meine Ansprüche, so dass ich ihn bei  photospecialist in den Niederlanden bestellte. (Nein, die geben mir kein Geld dafür, dass ich das hier erwähne).

Oben das Hauptfach, unten das Foto-Fach

Oben das Hauptfach, unten das Foto-Fach

Der Rucksack besteht aus einem Foto-Abteil im unteren Bereich und einem großen Hauptfach für „Sonstiges“. Im Fotoabteil ist ein eigenes, herausnehmbares Compartment, so dass der Rucksack auch ganz ohne Fotofunktion nutzbar ist. Oberes und unteres Fach können dann auch miteinander verbunden werden, so dass man ein ganz großes Fach hat.

Der Zugriff zum Hauptfach erfolgt von oben, der zum Fotoabteil ist von der Seite aus gesichert. Außen gibt es diverse flache Taschen für Zubehör, zwei quer laufende Reißverschlüsse verbergen weitere Taschen. Wer hier seinen Kram nicht unterbringt, der sollte über sein Leben nachdenken.

Hinter dem steifen, aber bequemen Tragesystem mit Brustgurt befindet sich noch ein gepolsterter Laptop-Einschub, in dem es wiederum einen Einschub für ein Ipad o.ä. gibt. Für mich der Ort für alle wichtigen Reiseunterlagen, weil DIN A4 dort wunderbar hineinpasst. Ein Laptop habe ich auf Reisen nie dabei.

An der Seite, die der Öffnung des Fotoabteils gegenüberliegt befindet sich noch eine große Tasche, in der Wasserflasche oder die Stativfüße Platz haben, das dann mit weiteren Gurten gesichert werden kann und seitlich hochkant am Rucksack hängt.

Das Hauptfach wird mit einem Reissverschluss wie ein Gefrierbeutel verschlossen, das Ende dann mehr oder weniger eingerollt und mit Riemen mit Schnellverschlüssen gesichert. Das ermöglicht eine sehr variable Anpassung an den Beladungszustand. Ist das Hauptfach voll, verschließt man nur den Reißverschluss, ist es leer, kann man die ganze Lasche einrollen.

Das Außenmaterial ist ein graublauanthratzitfarbenes steifes und dickes Nylon. Absolut strapazierfähig und unverwüstlich, die meisten Reisverschlüsse sind wassergeschützt, die Gurte gut vernäht und mit guten Schnallen versehen.

Mein Fazit:

Tasche für Wasser oder Stativ

Tasche für Wasser oder Stativ

Der Thule Rolltop hat meine Erwartungen zum großen Teil erfüllt. Er diente als Handgepäck und Fotorucksack, war stabil und unempfindlich und ließ sich auch bequem tragen, wenn man wie ich den ganzen Tag in New York unterwegs war. Ich hatte ihn eine Woche lang jeden Tag dabei.

Er sieht schick aus, ist vom Design eher etwas ungewöhnlich, was ich persönlich sehr mag. Die Taschenvielfalt ist so groß, dass man manchmal länger seine Sachen sucht. Hier empfiehlt sich ein klares Packkonzept, denn bis man unter den Augen eines Flughafen-Sheriffs alles nach seinem Pass abgesucht hat, ist man um Jahre gealtert.

Der Rucksack ist top verarbeitet, etwas steif, aber dafür schluckt er alle Dinge sicher und geschützt. Sein großer Vorteil ist die Variabilität, wer auch mal seine Einkäufe drin verstauen will und gar keine Kamera dabei hat, macht einfach einen großen Rucksack draus.

Ich kann ihn also grundsätzlich empfehlen. Trotzdem gibt es auch Dinge zu kritisieren:

 

Der Rollverschluss führt oben zu einer recht breiten „Wurst“ die links und rechts übersteht und meist genau auf Augenhöhe der Mitmenschen ist. Ich habe manchmal dem ein oder anderen Mitfahrer in der engen U-Bahn eine Ecke ins Gesicht gerammt. Der Rucksack ist dort recht breit, was manchmal stört.

Das Foto-Abteil. Sehr tief...

Das Foto-Abteil. Sehr tief…

Mit dem Foto-Compartment bin ich aus zwei Gründen nicht warm geworden. Erstens geht es über die ganze Breite des Rucksackes, ist also ein tiefes Loch, wenn man an der Seite den Reisverschluss öffnet. Mir ist es nicht gelungen, in dieses Loch mithilfe der ausreichend mitgelieferten Klettunterteilungen eine sinnvolle Struktur zu bringen, bei der ich zum einen alles sicher verstauen konnte, zum anderen aber schnell an alles herankam. Das geht mir leider bei vielen Fototaschen so, auch bei der Compagnon störte mich dieses Dilemma. Hier ist es so, als würde man einen Schuhkarton von der Schmalseite her befüllen müssen. An den Kram hinten kommt man nicht heran, ohne das halbe Innenleben heraus zu reißen. Vermutlich ist der an der Seite angebrachte Reißverschluss der Versuch, den Thule, wie einen Slingbag nutzen zu können, ihn also an einem Gurt nach vorne zu ziehen und dann an den Verschluss zu gelangen. Ich hätte einen Zugang von hinten besser gefunden, auch wenn das diebstahltechnisch vielleicht schlechter gewesen wäre. Zum zweiten hat das Compartment eine ungünstige Proportion: Für meine kleine Olympus war es im Prinzip zu groß, meine Canon 5DIII mit Batteriegriff, passt nicht hienin, egal, wie man es auch dreht und wendet. Die einzige Variante wäre „stehend“, also mit dem Display zum Träger zeigend, dafür ist dann aber zu viel Platz vor der Kamera.

Am Ende habe ich die Oly einfach oben ins ungepolsterte Hauptfach geworfen, was diese robuste Kamera gut abkann, aber natürlich nicht Sinn eines Fotorucksackes ist.

Aber vielleicht bin ich einfach zu doof, die Schuhschachtel richtig einzurichten, damit alles sicher und schnell erreichbar ist. Hilfreiche Vorschläge können hier gerne gepostet werden.

Hier nochmal alle Bilder. Über Eure Kommentare freue ich mich natürlich!

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


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