Immer wieder werde ich nach meinem Equipment gefragt. Auch wenn sich inzwischen herumgesprochen hat, dass Technik keine Bilder macht, sondern der Mensch, spielt Technik doch eine entscheidende Rolle, wenn es um Grenzbereiche geht. Fast jeder Fotograf hat dieses Hobby oder diesen Beruf auch wegen des Technik-Anteils gewählt, wir alle können stundenlang über Bokeh, Naheinstellgrenze, Linsengruppen oder Abbildungsmaßstäbe reden. Doch letztlich muss Equipment dazu dienen, eine kreative Idee umsetzen zu können. Jeder Fotograf durchläuft Phasen von „immer alles kaufen“ bis hin zu „weniger ist mehr“. Ich bin inzwischen in der letzteren Pahse: Nicht alles, was ich habe, ist auch tatsächlich dabei. Mein Traum, eine Hochzeit mit einer einzigen Festbrennweite zu begleiten ist noch in weiter Ferne, aber ich arbeite daran.

Mein Arbeitspferd: Die EOS 5D Mark III

Meine Hauptkamera, die alles kann, was ich benötige: Sie ist lichtstark, so dass ich auch in dunklen Kirchen problemlos ohne Blitz arbeiten kann. Bis ISO 6400 sind die Bilder problemlos nutzbar, auch ISO-Werte darüber hinaus sind nach digitaler Nachbearbeitung noch gut verwendbar. Sie ist schnell, so dass ich zur Not auch mit der Serienbildfunktion Bewegungsabläufe einfangen kann, auch wenn dieses „Maschinengewehr“ nicht meiner Art entspricht, Hochzeiten zu fotografieren. Sie ist leise: Im Silent-Mode kann ich auch ohne lautes Klacken aus dem Hintergrund fotografieren und störe niemanden. Und schließlich hat sie einen grandiosen Autofokus, der einen mit 61 Feldern nicht im Stich läßt und auch bei ungewöhnlichen Bildgestaltungen schnell und zielsicher funktioniert.

Aber vor allem hat sie ein überragende Bildqualität, tolle Farben und einen hohen Dynamikumfang. Feinste Details löst sie sehr gut auf, in der Bearbeitung der RAW-Bilder bietet sie viel Spielraum und der Vollformat-Sensor hat enormes Potential für kreative Freistellungen. Nicht zuletzt liegt sie gut in der Hand: Ich liebe schwere Kameras. Mit angesetztem Batteriegriff, Optik und Blitz hat man zwar ein paar Kilo in der Hand, aber das gibt auch Stabilität beim Arbeiten.

Ich arbeite immer mit angesetztem Hochformatgriff. Erstens habe ich durch zwei Akkus eine längere Laufzeit, die auch problemlos eine 12-stündige Hochzeit übersteht, zum anderen liegt die Kamera mit dem separaten Auslöser auch bei Hochformat gut in der Hand und läßt sich genauso intuititv bedienen, wie im Querfomat.

 

Mein Joker: Die EOS 6D

Die EOS 6D ist meine Ersatz- und Zweitkamera. Von der Bildqualität und den ISO-Fähigkeiten liegt sie auf dem Niveau der 5D III, sie ist lediglich weniger gut ausgestattet, vor allem beim Autofokus. Der Vollformat-Sensor liefert ebenso großartige Ergebnisse, sie verfügt ebenso über den für mich wichtigen Silent-Mode. Lediglich die 11 Autofokus-Felder erfordern ein anderes Arbeiten, insbesondere beim Einsatz von Offenblende.

Ein ausführliches Review zur 6D findet Ihr hier: EOS 6D

Für mich bisher überflüssige Features sind GPS und WLAN: Bisher weiß ich immer noch, wo ich Fotos mache, so dass ich auf ein Geotagging durch GPS verzichten kann. Auch die WLAN-Funktion würde erst bei einem Tethered-Shooting interessant. By the way: Ebenso entbehrlich an allen meinen Kameras wäre die Videofunktion, die ich nicht nutze. Nikon geht da mit der DF einen mutig konsequenten Weg…

Auch diese Kamera setze ich mit Battriegriff ein und ja: Ich nehme immer die Original-Canon-Griffe und keine Nachbauten, auch wenn sie unverschämt teuer sind. Für mich ist das Handling entscheidend und die Druckpunkte sind eben bei den Originalprodukten wirklich idenisch und auch die Canon-BG haben einen stabilen Magensium-Kern. Da ich die Gurte immer am Stativgewinde befestige, ist das für mich ein wichtiges Kriterium.

 

Das EF 24-70 2.8 L

Eigentlich eine Standard-Linse und für unübersichtliche Situationen auch wirklich gut. Tolle Schärfe, hohe Lichtstärke und eine L-typische Verarbeitungsqualität machen es zur Empfehlung als „Immer-Drauf“ am Vollformat. Verzeichnung und CA’s  lassen sich inzwischen in Lighroom gut korrigieren.

Ich hatte auch mal das 24-105 4 IS L, für mich zählte als Hocheitsfotograf aber letztlich Lichtstärke, Lichtstärke, Lichtstärke…

Inzwischen lasse ich es zugunsten von Festbrennweiten immer häufiger in der Fototasche.

 

 

 

Das EF 70-200 2.8 IS II L

Eine großartige Linse, über deren Eignung für die Hochzeitsfotografie die Meinungen auseinandergehen. Während die einen darauf schwören, ist sie anderen als schweres „Kanonenrohr“ verhasst. Zugegeben: Mit Kamera etc. nähert man sich der 5-Kilo-Grenze, insbesondere die Version mit IS und mit der durchgehend hohen Lichtstärke von 2.8 ist ein echter Brocken.

Ich mag die hohe Komprimierung im Telebereich, die unglaubliche Schärfe auch bei Offenblende und den wirklich gut arbeitenden Stabilisator. In dunklen Kirchen komme ich schnell in Zeiten, in denen eine 200er-Optik nicht mehr ruhig zu halten ist, aus diesem Grunde bin ich von der Non-IS-Version auf die mit Stabilisator umgestiegen.

Die Preise, die Canon für diese Linse aufruft, sind allerdings inakzeptabel: Rund 2200,- € sind dann doch Bereiche, in denen auch Profis kurz zucken. Ich habe mich daher auf dem Gebrauchtmarkt orientiert und dort ein gutes Angebot gefunden, das preislich wehtat, aber noch akzeptabel war.

 

 

Das 100 2.8. L Macro

Meine Wunderwaffe: Ein großartiges Makro mit einem hochmodernen Stabilisator für alle Bewegungsrichtungen, aber gleichzeitig eine knackscharfe Porträtlinse, die manchmal sogar zu scharf ist und in der Nachbearbeitung etwas gebändigt werden muss.

Ich mache damit Details von der Deko, Ringe und nutze sie auch gerne im Getting ready, um die Braut beim Schminken und Fertigmachen zu begleiten. Auch wenn die Naheinstellgrenze bei 12cm liegt, muss ich bei 100mm der Braut nicht zu nahe kommen und kann trotzdem tolle Aufnahmen von der Arbeit der Visagistin machen.

Vorsicht ist geboten bei der Tiefenschärfe: Die Kombination aus langer Brennweite, Offenblende und Naheinstellgrenze läßt die Tiefenschäfe bisweilen auf wenige Millimeter schumpfen. Wer hier nicht sauber arbeitet, hat schnell viel Ausschuss.

Einziges Manko: Der Autofokus neigt makrotypisch zum Pumpen: Aufgund der sehr feinen Einstellung dauert das bisweilen recht lange, bis der Fokus sitzt, machmal fährt er auch über den Fokuspunkt hinaus. Manuell ist man dann manchmal schneller.

Als Alternative im Porträtbereich besitze ich…

Das Sigma 85 1.4

Wer meinen bisherigen Objektivpark sieht, wird feststellen, dass es alles Canon L-Linsen sind. Da das 100 Makro für die schnellen Reaktionen einen zu langsamen Autofokus hat, wollte ich es um eine 85er-Festbrennweite ergänzen. Ich hatte kurz das Canon 85 1.8, wurde damit aber nicht wirklich warm, obwohl es ein tolles Preis-Leistungsverhältnis hat.

Ich habe dann lange überlegt, ob ich wirklich eines der „alten“ Sigmas nehmen soll. Die neue Global-Vision Serie überzeugt mich voll (siehe Sigma 3 1.4 Art). Aber ein altes? Die Rezensionen waren durchweg gut, auch von Sigma-Kritikern und Fehlfokus-Göttern, die Objekive unter Extrembedingungen testen und offenbar keine normalen Fotos damit machen. Das Canon 85 1.2 übersteigt meine Zahlungsbereitschaft, also habe ich mir das Sigma zugelegt. Um es kurz zu machen: Ich bin begeistert. Tolles Bokeh, schneller Autofokus ohne Fehlfunktion, großartige Haptik, an der 5D eine tolle, ausgewogene Kombi. Ich liebe es und mache inzwischen alle Porträts damit, sorry Makro 100 L…

 

 

Das Sigma 35 1.4. ART

I love it! Mein Reportage-Objektiv. Das erste aus der Global-Vision-Reihe, die Sigma vor ca. 2 Jahren aufgelegt hat. Die ART-Reihe besteht aus lichtsstarken Festbrennweiten mit künstlerischem Anspruch, so formuliert es Sigma.

Für mich herausstechend: Unglaublich scharf, die Kombination aus Offenblende und 35mm bringt tolle Tiefe in die Bilder. Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben und das Ding sieht einfach auch noch geil aus. Kein Leichtgewicht aber jedes Gramm wert. Der Autofokus ist schnell und zielsicher, die Bildqualität sensationell. Mit dem 35 1.4 hat Sigma eine Marke gesetzt, die dem Canon 35 1.4 L das fürchten lehren wird. Ich kann es kompromisslos empfehlen. Wenn Sigma auf dem Level noch ein 24er, ein neues 85er und ein 50er herausbringt (das 50er ist angekündigt…), dann weiß ich, was auf meinem Einkaufszettel steht…

… und schließlich…

Das Canon EF 50 1.4

Zugegeben: es sitzt ein bißchen zwischen den Stühlen: Für Porträts zu kurz, für Reportage zu lang, aber lange Zeit war es mein Lichtriese für die dunklen Ecken dieser Welt. Vielleicht trenne ich mich nicht, weil das 50er für die unspektakuläre, einfache, gute und „untechnische“ Fotografie steht. Es ist der verkörperte Verzicht auf allen Schnickschnack wie Hybrid-Stabilisator oder Zoom.

Und es steht für die Mahnung, endlich einfach mal nur mit dem 50er durch Hamburg zu ziehen und geile Fotos zu machen. Neu sehen lernen, laufen lernen, gestalten lernen. Nicht schnell am Zoom drehen oder die Linse wechseln. Nicht in die Fototasche greifen und die schnelle Lösung herausholen. sondern mit der Normalbrennweite „arbeiten“. Irgendwie nehmen wir uns das alle immer wieder vor. Ich glaube, die wenigsten machen es.

Ich habe ihm auch den kaputten AF-Motor verziehen und ihm für 150,- € einen neuen einbauen lassen, was angesichts eines Straßenpreises von rd. 300,- irgendwie dämlich ist. Irgendwie bin ich der Gnadenhof für mein 50er. Ich bin es gerne.

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


3 Comments:

  1. Flo
    Januar 14, 2014

    Also ich mache mir über meine Ausrüstung eigentlich keine Gedanken.Ich denke zu viel Ausrüstung behindert mehr, als das sie nützt. Ich habe schon einige Hochzeiten mit nur einem Objektiv, dem 50mm, geschossen. Warum nicht ?? Meine Kunden wollen ja einen Fotografen der sein Handwerk ruhig und besonnen durchführt und keinen Typen, der mit Objektiven jongliert. Ich komme mit der 5d und dem 50 1.8 überall hin 🙂

    • Matthias Fischer
      Januar 14, 2014

      Hallo Flo, danke für Deinen Kommentar. Ich bestreite nicht, dass man mit einem Objektiv, zumal mit dem 50er, eine ganze Hochzeit fotografieren kann. Ebenso glaube ich auch nicht, dass viele Objektive viele gute Fotos machen. Allerdings glaube ich auch, dass Hochzeitpaare erwarten, dass man in der Lage ist, das für Motiv und erwünschte Bildwirkung passende Objektiv zu wählen. Das kann den ganzen Tag das 50er sein, aber eben auch nicht. Meiner Erfahrung nach eher nicht. Dennoch gebe ich Dir recht: Weniger ist manchmal mehr, ich verfahre inzwischen auch so und habe meist nur noch da 85er und das 35er im Einsatz. Witzigerweise meine beiden Nicht-Canon-Linsen und auch fast meine günstigsten… Und sich Gedanken über das Paar und nicht über die Technik zu machen ist allemal eine gute Empfehlung!

      LG

      Matthias

  2. Hochzeitsfotograf München Charles Diehle
    Januar 17, 2014

    Jedes Objektiv für sich, hat seine ganz eigene Bildwirkung. Das 85/1.2er von Canon hat ein ganz eigenes Bokeh. Das neue Sigma 35/1.4 ART ist wirklich wahnsinn. Gefällt ausgesprochen gut.

    Mit dem 50/1.4er, welches auch mein Standardobjektiv ist, steht ich jedoch des öfteren auf kriegsfuß, da es leider nicht immer zuverlässig fokussiert.

    Das 70-200/2.8er II ist auch eine ganz tolle Linse, welche ich sehr oft im Einsatz habe. Wunderschöne Portraits, wenn man mal etwas mehr Brennweite braucht.

    Als Makro habe ich das Sigma 105/2.8er, welches wirklich ganz hervorragend ist. Einen Unterschied in der Bildschärfe zum Canon ist nicht feststellbar, dafür ist es günstiger.

    Weniger ist mehr – kann manchmal gut sein. Allerdings bin ich der Meinung, das Brautpaar freut sich, über verschiedene Blickwinkel, welche dann auch nur mit verschiedenen Objektiven entstehen.


Sorry, the comment form is closed at this time.