New York: What’s in my bag?

Kennt Ihr das? Eine große Reise steht an, viele tolle Fotos warten auf Euch, vieles ist vielleicht einzigartig und nur einmal im Leben vor Eurer Linse. Was kommt in die Fototasche?

Genau diese Frage bewegte mich, als ich mich auf New York vorbereitete. Meine Jobs fotografiere ich mit einer Canon 5DIII und einer 6D, dazu Festbrennweiten von 35mm, 50mm, 85mm, 100 mm, dazu Weitwinkel- Standard- und Tele-Zoom, kurz: alles von 16-200mm. Es war klar, dass ich mich jetzt entscheiden musste. Schon seit längerem habe ich die Olympus OM-D E-M1 samt 12-40mm 2.8, 45mm 1.8 und 75 1.8, zwischenzeitlich hatte ich auch das 7-14mm von Panasonic, dass ich jedoch wieder verkauft hatte.

Nun stand ich zwischen meinem ganzen Geraffel und musste eine Strategie entwickeln, wie ich diese Stadt angehen wollte. Kurz überlegte ich tatsächlich, die 5D, das 16-35 und ein 35er 1.4 oder 50er 1.4 mitzunehmen. Da ich jedoch auch ein Model-Shooting machen wollte, hätte mir das 85er gefehlt und so sah ich mich schon mit vollgepackten Taschen losfahren. Also entschied ich mich gegen das Vollformat und für die kleine Olympus, die es zwar in mein Herz, aber irgendwie nicht auf meine Hochzeiten und sonstigen Jobs geschafft hat.

Für diese Kamera als Reisekamera sprach vieles:

  • Sie ist klein und leicht
  • Sie hat einen geräuschlosen Verschluss für unauffälliges Fotografieren
  • Sie hat ein schwenkbares Display, was Froschperspektiven erleichtert
  • Sie ist spritzwassergeschützt (zumindest mit dem 12-40 PRO)
  • Sie hat WLAN, um Bilder mal eben aufs Handy zu übertragen
  • Der gute Stabilisator macht den Blitz überflüssig
  • Die ISO-Leistung ist ausreichend

 

Gegen diese Entscheidung sprach einiges:

  • Der Akku ist schwach und reicht nicht für einen ganzen Foto-Tag
  • Mir fehlte ein echtes Weitwinkel unterhalb der 12mm (24mm KB)
  • Die Oly hat nur einen SD-Karten-Slot und ein Laptop zur Datensicherung wollte ich nicht mitschleppen.

Ich rüstete also vor Reisebeginn noch Akkus nach (insgesamt dann 5 Stück), besorgte mir noch ein Ministativ von Manfrotto und einen Satz ND-Filter für das 12-40 PRO, weil ich angesichts der Skyline von Manhattan mit Langzeitbelichtungen experimentieren wollte. Offen blieb die Frage des Ultraweitwinkels. Ich hätte mir bei Bedarf bei B&H oder Adorama in New York ggf. noch ein billiges 8mm-Fisheye von Samjang/Rokinon gegönnt. Dies hätte meine Zollgrenzen nicht gesprengt und wäre etwas erschwinglicher gewesen, als es schon in Deutschland zu kaufen.

Dies alles verpackte ich mit diversen Speicherkarten, Ladegerät in meinen THULE Covert DSLR Rolltop Backpack (hierzu später ein eigener Testbericht!) und auf ging es.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe es nicht bereut, mich auf die Oly zu beschränken und mein Vollformat-System im Schrank gelassen zu haben. Mein Fazit nach einer Woche New York und fast 2000 Bildern:

  • Die Oly bewährt sich absolut als unauffällige Reisekamera, geeignet für unauffällige Fotografie auch aus ungewöhnlichen Blickwinkeln.
  • Das 45er hatte ich für mein Porträtshooting mit Nadine mitgenommen, das ich dann am Ende aber fast ausschließlich mit dem 75er gemacht habe, um ausreichend Freistellung auf der überfüllten Brooklyn Bridge zu erreichen. Es hätte auch zuhause bleiben können.
  • Das 12-40 2.8 Pro ist ein großartiges Allround-Objektiv, mit dem ich 85 Prozent aller Fotos gemacht habe.
  • Das 75mm war ein Impulskauf, über dessen Sinn ich zuerst grübelte, den ich inzwischen aber nicht mehr bereue. Es schafft bei Porträtaufnahmen die notwendige Freistellung und einen Fast-Vollformat-Look an mft, auch wenn man sich an die Distanz gewöhnen muss.
  • Das UWW habe ich letztlich nicht gekauft. Erstens war B&H geschlossen, als ich dran vorbeikam und in den wenigen Fällen, wo mir etwas Weitwinkel fehlte, habe ich mich mit Panoramen beholfen. Die Panoramafunktion von LR 6 verarbeitet ja auch RAW’s zu DNG, so dass der Bearbeitung keine Grenzen gesetzt sind.
  • 12mm (24mm KB) reichen auch in New York für die meisten Motive aus. In Kombination mit dem kleinen mft-Sensor erhaltet ihr in den meisten Fällen eine große Tiefenschärfe, die man ja für Stadt und Street durchaus möchte. Extreme Freistellungen sind nicht das Terrain dieser Kombi.
  • Das 75mm ist ein unfassbar geiles Porträt-Objektiv. In einer engen und vollen Umgebung wie auf der Brooklyn Bridge ist es die einzige Möglichkeit, die erhöhte Tiefenschärfe des kleinen Sensors zu kompensieren und eine ordentliche Isolierung des Hauptmotivs zu erreichen. Die Schärfe und Bildqualität ist überragend, die Kommunikation mit dem Model erfolgt dann allerdings über Zeichensprache, wenn man nicht brüllen möchte. Aber das ist es wert.
  • Das 75mm funktioniert auch als Tele für Stadtansichten, und ist daher auch ohne geplantes Porträtshooting eine gute Wahl für Reisen.
  • Die Kombination aus lautlosem Verschluss, schwenkbarem Display und Touch-Fokussierung bzw. –Auslösung haben überhaupt erst Aufnahmen von Menschen in der Subway oder der Straße ermöglicht, die mit der 5DIII nicht möglich gewesen wären.
  • Das erste Mal seit langem habe ich wieder auf ausreichend Akku-Kapazität geachtet: 2 Ersatz-Akkus im Rucksack, 2 in der Kamera und einer zuhause im Ladegerät. So gab es nie einen Engpass.
  • WLAN, von mir einst belächelt, entpuppte sich als praktisches Feature, um mal ein paar Bilder aufs Handy zu ziehen und zu verschicken, oder die Kamera fernauszulösen.
  • Ihr solltet sauber fotografieren, der 16MP-Sensor hat nicht allzu viele Reserven sowohl, was die nachträgliche Belichtungskorrektur als auch den nachträglichen Beschnitt betrifft. Wenn Ihr Euch von einer Reise einen großen Print auf Alu-Dibond oder ähnlich an die Wand hängen möchtet, solltet Ihr von den 16 MP nicht allzu viel weggeschnitten haben.
  • Das kleine Manfrotto-Stativ hat seinen Zweck erfüllt. Es reicht für Langzeitbelichtungen und belastete mich nicht. Ohne hätte ich etwas vermisst.

 

Ich hoffe, ich konnte Euch mit meinen Erfahrungen weiterhelfen, wenn Ihr gerade vor Eurer Fototasche sitzt. Mein Credo: Nehmt wenig mit, macht Euch leicht und frei, damit Ihr nicht an Eure schmerzenden Schultern denkt, sondern Aufmerksamkeit und Offenheit für die Stadt behaltet, die Ihr bereist. Eine kleine Kamera unterstützt Euch dabei. Ein gutes Zoom reicht wirklich aus, ergänzt um eine längere Festbrennweite und ein Stativ ist das eigentlich schon alles. Und kopiert für die Wiedereinreise Eure Rechnungen, um keinen Ärger mit dem deutschen Zoll zu bekommen.

Gute Reise und kommt heil wieder, wo immer Ihr auch hinfahrt!

Hier ein paar Bilder, die meine Einschätzung in meinen Augen belegen, kleine Infos unter dem jeweiligen Bild

P3130332

75mm 1.8

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Pano aus 2 Einzelaufnahmen

P3130356

75mm 1.8

P3130368

75mm 1.8

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

ISO 1600

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Lautlose Auslösung über Touch-Screen, ISO 1600

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

75mm 1.8

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Lautlose Auslösung über Touch-Screen, ISO 1600

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


2 Comments:

  1. Seija
    März 25, 2016

    Ich muss einfach mal ein paar Worte loswerden, obwohl sie sich eigentlich auf ein: „wow“ beschränken könnten!
    Den Bericht über die Vor- und Nachteile der Olympus Kamera finde ich wirklich sehr gelungen und denke, dass du treffend gezeigt hast, dass man die „Kleinen“ eben nicht unterschätzen sollte.
    Die Potraits sind wirklich sehr schön geworden und Nadine hat wirklich ein so schönes Gesicht. 🙂 Das Panorama – hier wär es wieder – wow! Ich habe Gänsehaut bekommen, so schön finde ich das!

    Alles in allem ein wirklich toller Bericht und noch schönere Bilder, die den Flair und die Stimmung in New York wiederspiegeln!
    Liebe Grüße, Seija

  2. Anne
    März 26, 2016

    I like! Wirklich. Du weißt ja… Wie ich auf die Reduzierung vom Equipment stehe! (;
    Toll gemacht!


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