Ihr kennt das sicher auch: Ihr kommt an eine Location oder in eine Situation, die besondere Fotos verspricht. Extra dafür habt Ihr die ganze Zeit die Kamera mitgeschleppt, weil Ihr wisst: „Nachher, da bekomme ich mein Sensationsfoto“!
Tatsächlich: die Sonne geht glutrot über dem Meer unter, oder das Wasserschlösschen in der Speicherstadt erstrahlt rot im Abendlicht, das Feuerwerk beginnt oder sonst irgendein Ereignis nimmt seinen Lauf. Ihr shootet und macht Foto um Foto, alle irgendwie ähnlich und doch ganz anders. Am Ende ist die Speicherkarte voll und Ihr geht glücklich nach Hause.
Zuhause schaut Ihr Euch die Fotos an: Falsch gemacht habt Ihr nichts, alles Richtige scharf und die Stimmung ist auch schön, aber irgendwie enttäuschen Euch die Fotos. Sind unsere Erwartungen zu hoch? Oder ist das Motiv schon von Millionen von Vorgängern totfotografiert?

Ich war gerade 10 Tage in Dänemark im Urlaub. Alles passte: Die Sonne schien, der Himmel war blau, ein paar Wölkchen, das Meer brauste, am Strand lagen schöne Steine und warfen Schatten, die Sonne ging pünktlich auf und unter und legte die notwendige Romantik an den Tag. Und trotzdem hauen mich meine eigenen Fotos nicht vom Hocker. Irgendwie habe ich das alles schon tausendmal gesehen, es sind Klischees, wie sie im Buche stehen, vermeintliche „Must-have’s“, die sich dann doch irgendwie als entbehrlich erweisen, weil man sie schon zu oft gesehen oder auch fotografiert hat, die entsprechenden Stellen in unserem visuellen Gedächtnis sind überlastet und überladen mit ähnlichen Fotos.

Vielleicht gibt es tatsächlich diese Bilder, die man lieber nicht macht, sondern im Kopf behält: Stimmungen, Gefühle, Gerüche oder der Wind, den man beim Fotografieren spürte, das Rauschen der Wellen, der Sand zwischen den Zehen, all das kommt irgendwie nicht mit auf das Bild und fehlt, wen man es hinterher anschaut.
Ich habe für mich in Dänemark in mein fotografisches Logbuch notiert, dass es manchmal sinnvoll sein kann, die Kamera zu Hause zu lassen und Dinge nicht zu fotografieren. Sonnenuntergänge gehören für mich ab jetzt dazu. Wenn die Erwartung sehr hoch ist, und die Vorfreude, genau dies jetzt zu fotografieren, kann ein kurzes Zögern vielleicht sinnvoll sein.

Vielleicht ist der schlaue Gedanke, der gute Vorsatz, den man beim Blick in den Sonnenuntergang hat, viel mehr wert, als das hundertste Foto davon?

Geht es Euch ähnlich? Dann macht mir Mut und hinterlasst Eure Kommentare!

 

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


2 Comments:

  1. Anne
    März 22, 2015

    Ach Matthias… Wie oft ging es mir schon so. Ich überlege mittlerweile genau, ob ich die Kamera einpacke oder nicht. Meine „alternative“ Reisekamera kennst du bestimmt (;
    Ich weiß noch in Spanien. Eine Tour mit Guide, 2 Stunden Zeit… Und dann war die Frage: ein Foto machen, welches ich überall im Netz finde, oder die Stadt genießen… Im Fotoalbum klebt ein Bild was ich bei Google raus suchte… (; das Sehen mit den Augen ist mir mittlerweile wichtiger. Von vielem habe ich keine Fotos, traurig macht mich das nicht. (:

    LG, anne

  2. Inga Mau
    März 23, 2015

    Lieber Matthias, Du sprichst mir aus dem Herzen! Ich habe auch seit einiger Zeit beschlossen, mal meinem Auge, meinem Finger und meinem Herzen eine Motiv- und Stimmungspause zu gönnen und dafür die Kameratasche zuhause zu lassen. Es ist wunderbar, mal zu Zweit zusammen mit Hund und ohne suchenden Blick das Jetzt und Hier zu genießen und die Momente vergänglich sein zu lassen…
    Liebe Grüße an die Meute 🙂
    Inga


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