Max(i) und Moritz oder: Porträts mit 16mm und 56mm

Tja, lange hat es gedauert, bis ich die Fuji X-T2 samt meiner Brot-und-Butter-Linsen mal wirklich „ausführen“ konnte. Grottiges Wetter, Grippewellen, Dienstpläne und andere Widrigkeiten verhinderten, dass ich früher dazu kam, die Fuji wirklich mal zu testen und mich an das Handling und die Charakterisitik des Fujinon 56mm 1.2 und des 16mm 1.4 zu gewöhnen. An diesem Wochenende war es dann soweit: Zuerst durfte ich Maxi in den Boberger Dünen und heute Moritz im Oberhafenquartier fotografieren. Beiden herzlichen Dank und viel Erfolg beim Wiedererwärmen… Die Steilvorlage mit den Namen musste ich natürlich zu einem gemeinsamen Blogpost nutzen… Wer meine ersten beiden Blogposts zu meinem Unstieg von Canon zu Fuji lesen möchte, findet Teil 1 hier und Teil 2 hier.

Eines vorweg zum Linsen-Line-Up: Ich hatte bei Canon das Sigma 35mm 1.4 ART und das „alte“ 85mm 1.4 von Sigma, da ich mit dem 85 1.8 von Canon nie warm geworden war und mir das 85 1.2 L zu teuer war. Mit diesen beiden Linsen habe ich 98% meiner Hochzeiten fotografiert. Ganz selten hatte ich mal das 70-200mm 2.8 am Start oder das 16-35mm 4.0. Aber eigentlich war ich mit den beiden erstgenannten Linsen völlig ausreichend ausgestattet. Es hätte nahegelegen, mir nun zu meiner Fuji X-T2 das 56 1.2 und das 23 1.4 zuzulegen und dort weiterzumachen, wo ich bei Canon aufgehört hatte. Aber irgendwie las ich soviel Gutes über das 16mm 1.4 (24mm KB-Äquivalent, so dass ich es mir zusammen mit dem 56er Anfang des Jahres geholt habe. Schon immer reizte mich der Look von offenblendigen Weitwinkeln, und wenn Paul Ripke an seiner Leica soweiso nichts anderes hat, als ein 24mm 1.4, dann kann mir das ja nicht schaden. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ich habe das 16mm wirklich lieben gelernt. richtig eingesetzt, erzeugt es einen sensationellen Look. Doch dazu später.

Meine Eindrücke bisher:

Die Fuji X-T2 macht einen sensationellen Job. Ihr Handling, die Bedienbarkeit und die Bildqualität sind wirklich großartig. Ich habe das erste mal das Gefühl, eine Kamera nach wenigen Wochen blind bedienen zu können.

X-T2_56 mm_1-2500 Sek. bei f - 1,2

X-T2_56 mm_1-2500 Sek. bei f – 1,2

Über das Entrauschen denke ich eigentlich erst ab 6400 ISO nach und auch dann lasse ich es meistens drin, vor allem bei Schwarz-weiß Aufnahmen. Der Autofokus sitzt bombe, der Sucher lässt einen wirklich vergessen, dass er nicht aus Glas, sondern aus Pixeln besteht. Continous-AF und Gesichtserkennung sind zuverlässig, wenn auch mit Ausschuss, aber für meine Zwecke völlig ausreichend. Ausschuss hatte ich auch bei meiner 5DIII. Für meine Hochzeiten mache ich mir da überhaupt keine Sorgen. Wenn mich die Kiste nicht bei der ersten Hochzeit auf der Tanzfläche kopmplett im Stich lässt, habe ich meine Kamera jetzt gefunden. Einige Bedienungen sind noch nicht ganz eingeschliffen, vor allem im Zusammenspiel mit dem, Batteriegriff (Bildansicht, Blättern, Vergrößern), da fummele ich immer noch ein bisschen blind rum, aber das schleift sich alles noch ein. Kurz: Die Fuji ist wirklich eine erwachsene Kamera, die alles hat, was ich mir wünsche und mich dabei nicht nervt, sondern unterstützt. Ich bin glücklich. Und sie hoffentlich auch…

Das 56mm 1.2 (Non APD)

Das Ding ist der Hammer. Und es ist ein Beispiel, dass sich vermeintlich bestehende Unterschiede zu anderen Linsen in der Praxis in Luft auflösen. Formal betrachtet soll das 56er beim Autofokus nicht das schnellste Glas sein und rein physikalisch ist die Freistellung nicht ganz so extrem, wie an einem 85 1.4 an Vollformat. Der Autofokus sitzt in 95% der Fälle und ist zackig da, wo er sein soll. Wo ich vielleicht im direkten Vergleich zum Fujinon 35mm 2.0 eine minimale Behäbigkeit wahrgenommen habe, ist dieser Eindruck in der Praxis verflogen. Das Ding ist schnell, zuverlässig und dann richtig scharf. Lasst Euch also nichts einreden, Formel 1-Rennen  fotografiert man auch nicht mit einem 85 1.4… Die Freistellung ist sensationell. Die Naheinstellgrenze lässt intimere Porträts zu, als es mein altes Sigma konnte, das eine Naheinstelgrenze von 1,45m hatte. Die

Offenblende von f:1.2 ist voll nutzbar, die Tärfenschiefe beträgt dann auch an APS-C nur wenige mm, egal, was irgendein Schärfentiefen-Rechner Euch erzählt.

Bei Porträts im 45-Grad-Winkel zur Augenpartie müsst Ihr mindestens bis f:4, besser sogar bis f:5.6 abblenden, um beide Augen scharf zu bekommen. Bei f:1.2 genügen wenige mm Versatz um einen deutlichen Schärfeabfall zwischen beiden Augen zu erkennen. Wer hier noch auf Vollformat besteht, hat nicht mehr alle Latten am Zaun sicher besondere Gründe dafür. Das Bokeh ist zauberhaft, ich mage es, mein Model mochte es. In der Summe bilden Bildqualität, Schärfe, Farben, Kontraste, Schnelligkeit und Look das ideale Porträt-Objektiv.

Das 16mm 1.4

Wie gesagt, für mich etwas Neuland, ich komme von den 35mm und hatte Sorgen, doch ein recht spezielles Glas erstanden zu haben, das zwar schnell und scharf ist, aber doch für meine Zwecke (People, Hochzeiten) etwas zu weitwinkling. Und ich bin eines Besseren belehrt worden: Seit ich das Ding habe, bin ich ein Jünger des 24 f1.4-Ordens. Genügend Abstand nach hinten vorausgesetzt, erzeugt es bei Offenblende einen so unfassbar geilen Look des „Verlorenseins“, den ich liebe. Das kann kein 35er. Untenrum zählt halt jeder mm. wenn ich mir dieses etwas schlüpfrige Bonmot an dieser Stelle erlauben darf. Interessanterweise verzeichnet das 16mm auch am Rand kaum. Es ist noch nichtmal nötig, sich auf eine mittige Positionierung des Gesichts zu beschränken, auch Paare sollte man also mit dieser Linse problemlos ablichten könne, solange man einen gewissen Mindestabstand nicht unterschreitet. Apropos Mindestabstand: mit dem 16mm könnt Ihr

-wenn Ihr wollt- so nah ran, dass die Nase Eures Gegenübers fast die Linse berührt. Was bei Porträts dann nicht mehr empfehlkenswert ist, könnte beim Fotografieren von Deko oder bei

m Spiel mit Vordergründen schon wieder ganz großes Kino werden. Das 16mm ist sauschnell im Autofokus, hat den Mechanismus, bei dem man den manuellen Fokus durch Verschieben des Fokusringes nach vorne bzw. hinten ein. und ausschaltet und einfach sauscharf. Ich liebe dieses Glas und werde es nicht mehr hergeben. Was man jedoch wissen muss: Um den schönen Look von Offenblende und weitwinkel zu erzeugen, benötigt man schon Platz nach hinten. Maxi in den Boberger Dünen hatte diesen Platz, Moritz im Oberhafenquartier nur begrenzt. Dann holt das 16mm natürlich auch viel Unrat ins Bild.

Das 35mm 2.0

Dies war mein Einstieg zu meiner Fuji. Es war die schnellste, schärfste und günstigste Möglichkeit, das Potenmtial der Fuji zu testen. Ich hatte es auch dabei, einige Fotos sind damit entstanden, es ist die universellste Linse, die „immer geht“. Abgedichtet, lichtstark, schnell und klein und leicht erzeugt sie jetzt vielleicht nicht den sensationellen Look eines 56mm oder 16mm, aber ist eben doch ein zuverlässiges Arbeitspferd, vor allem bei nassen Bedingungen.

Fazit:

Was bleibt als Fazit des vorletzten Posts zum Umstieg? (Der letzte wird dann die ersten Hochzeiten zum Thema haben…)

Die Entscheidung für Fuji war richtg. Fotografieren macht wieder Spaß. Weniger ist mehr. Mehr braucht kein Mensch. Der Linsenpark aus 16mm, 35mm und 56mm passt, ich frage mich, ob ich wirklich noch ein 23mm 1.4 benötige. Vielleicht. Alles andere ist dann Erweiterung über das Notwendige hinaus. Nichts, was unabdingbar wäre, vielleicht „nice to have“, aber eben nicht notwendig für meine Fotografie. 50-140 oder 10-24 könnten eine Ergänzung sein, fehlen mir aber nicht in meiner Fototasche. Die Leichtigkeit dieser Tasche, die Beschränkung auf 3 Linsen ist eine neue Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Die Bildbezeichnung enthält jeweils die wichtigsten Metadaten, macht Euch also gerne selbst ein Bild, was die Linsen so können. Viel Spaß!

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


3 Comments:

  1. Oliver
    Februar 26, 2017

    Lieber Matthias

    mal wieder herrlich geschrieben … macht lust auf eine Fuji 🙂

    liebe grüße
    oliver

  2. Photo-Schomburg
    Februar 26, 2017

    Hallo Matthias,
    erstmal danke für deinen tollen geschrieben Blogpost. Wie du ja weiß, bin ich auch vom Canonlager zu Fuji gewecksel. Okay, die Mark3 plus ein paar Sigma Linsen besitze ich noch. Das XF 56mm und das XF 16mm haben es mir auch sehr angetan. Noch eine Linse von Fuji, das 23mm 1.4, benutze ich auch gerne, da es im Kleinbild 35mm entspicht.
    Ich freue mich schon auf meine erste Hochzeit und das mit Fujifilm ( kein Vollformat).
    Lg Sven

  3. Gregor Haase
    Februar 27, 2017

    Hallo Matthias,
    nachdem der Systemwechsel jetzt immer dringlicher wurde (die Hochzeitssaison fängt im Mai an, und bis dahin sollte ihc die Kamera blind bedienen können), habe ich mich tatsächlich am Samstag gen Fotofachhandel aufgemacht, um mir eine neue Kamera zu kaufen.
    Geplant war dasses eine Fujifilm wird, ob XT-2 oder Pro2 war noch nicht ganz raus.
    Nach dem einanderthalbstündigen Beratungsgespräch war klar, dass es eine XT-2 wird. Leider hatte das Fachgeschäft keine zum Leihen (immerhin Nordbayerns größtes Fotofachgeschäft). Da ich aber zumindest mal ein zwei Shootigs mit der Kamera gemacht haben wollte, bin ich unverrichteter Dinge wieder heimgefahren, und habe mir von einem Freund die XT-1 geliehen. (er wollte mir die Pro2 auch mitgeben, aber ich lehnte erst einmal dankend ab. Hatte am WE jetzt das erste Shooting und bin natürlich noch nicht ganz mit der Bedienung zurecht gekommen.

    Mal sehn wann ich jetzt zuschlage …

    Gregor
    Handling war ganz gut – Bilder von der Qualität auch zufriedenstellend, allerdings befand ich das Rauschverhalten nicht OK. Hoffe das ist durch den verbesserten Prozessor an der XT-2 anders.


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