Martina @ 50mm

Sigma 50mm Art @ 1.4

Zugegeben: So richtig neu ist es nicht, denn bereits Anfang 2014 hat Sigma sein 50mm 1.4 aus der Art-Serie auf den Markt gebracht und damit dem inzwischen schon legendären 35mm aus der Art-Serie einen Kompagnon zur Seite gestellt. Ich hatte lange das Canon EF 50mm 1.4, aber irgendwie zerrieb es sich ein wenig zwischen dem schon erwähnten 35mm Art, das ich ebenfalls mein eigen nenne, und dem „normalen“ Sigma 85 1.4 (das auf seine Ablösung durch ein 85 1.4. Art sicher nicht mehr lange warten muss). Da war für die kleine unscheinbare Festbrennweite irgendwie kaum Platz und so verschwand es in den Untiefen der Fototasche, ohne wirklich zum Einsatz zu kommen. Eigentlich bin ich erst durch den Besuch von Amanda Berens in der Live-Show bei Martin Krolop wieder auf das Thema gekommen. Sie fotografiert wunderbar mit nur dieser einen Brennweite (allerdings die rotberingte Canon-Version) und produziert dabei herrlich unaufgeregte, freundliche und farbenfrohe Bilder. Und ich entsann mich, dass dies eigentlich die Art ist, in der ich gerne fotografieren würde: Kamera, Festbrennweite, Licht. Sonst nix. Und dafür ist das 50mm gerade wegen seiner unspektakulären Brennweite am Vollformat super geeignet. Es kann alles. Vielleicht nicht so perfekte Porträts wie das 85er, vielleicht nicht so tolle Landschaften wie das 35er, aber eben alles irgendwie in einem Glas. Kein Gepäck, kein Gedöns, kein Wechseln.

Also stiefelte ich Anfang des Jahres zum Händler meines Vertrauens und nahm ein 50mm 1.4 Art mit, mein altes Canon war da schon in guten Händen. Und ich gestehe jetzt etwas Außergewöhnliches: Ich hasse Pixelpeeper, die sofort Klinkerwände aus 20cm Abstand fotografieren, mit 200mm-Teleobjektiven Kaffeekannen auf dem Tisch fotografieren und dann die eigene Unfähigkeit, zu fokussieren, mit wilden Backfokus-Geschichten und „Serienstreuung“-Getöse untermalen. Ich habe bisher immer in allen Foren dagegengehalten. Und nun das: Irgendwie kam mir mein Exemplar nicht so richtig scharf vor. Irgendwie fokussierte es nicht da, wo ich es haben wollte. Sollte hier etwas die Sigma-Serienstreuung…? Nicht auszudenken. Vielleicht war ich paranoid, man soll den Fehler ja erst einmal bei sich suchen. Aber ich habe das Sigma schließlich getauscht. Zum Glück kein Problem bei meinem Händler, aber doch irgendwie ein Gang nach Canossa, dort am Tresen zu stehen und zu sagen: „Ich habe das Gefühl, es ist nicht richtig scharf…“ Ich hatte ein Shooting damit gemacht und war nicht wirklich zufrieden, einiges war aus Blende und Verschlusszeit zu erklären, aber irgendwie traute ich dem Braten nicht. Vielleicht war alles bestens und mein erstes Exemplar ist irgendwo bei einem Fotografen, dem die Spucke wegbleibt angesichts der unfassbaren Schärfe seines neuen 50mm und nur meine übersteigerte Erwartungshaltung hat mich zum Umtausch gebracht? Kurz gesagt: Ich bin mit meinem neuen absolut glücklich. Scharf wie sau und alles bestens.

Genug der Vorgeschichte: Das Sigma ist verglichen mit meinem alten 50mm ein Klotz: Mit über 800 Gramm wiegt es fast so viel wie die Kamera und macht die Kombi aus 5DIII und 50mm zu einem echten Geschoss. Sigma liefert wie immer vorbildlich Geli und Schaumstoff-Köcher mit, was Canon bis heute nicht für nötig hält und nur den L-Linsen eine Geli und ein läppisches Beutelchen mit auf den Lebensweg gibt.

Die Verarbeitung ist wie bereits beim 35mm Art vorbildlich solide und zeigt, was man aus Kunststoff und Metall alles machen kann. Die Ringe laufen satt und fest, der Fokus-Schalter hat einen gewissen Widerstand, was ich sehr gut finde, da ich ihn bei meinem 85 1.4 ständig unabsichtlich verstelle. Abgedichtet ist das 50mm allerdings genauso wenig, wie die anderen Art-Linsen.

Ich habe inzwischen diverse Shootings damit gemacht und bin mit dem Objektiv absolut zufrieden: Es ist wirklich knackscharf und fokussiert zuverlässig. Ja, wirklich! Farben und Kontraste stimmen und das Bokeh ist sehr gefällig, was auch den 9 Blendenlamellen geschuldet ist. Optische Fehler sind im Zeitalter von Lightroom ohnehin kein Thema mehr, aber es ist bemerkenswert, wie wenig sich tut, wenn man das Objektivprofil in Lightroom anwendet: Ein wenig Aufhellung in den Ecken, das war es. Und Besitzer einer Crop-Kamera dürfte das ohnehin egal sein.

Die Bilder „knacken“ am Monitor richtig und der Schärfeverlauf ist unheimlich schön. Ich liebe es und nutze es zur Zeit fast ausschließlich, weil es einfach so herrlich vielfältig ist. Und die Beschränkung auf eine Brennweite ist eine gute Übung zur Kreativität und Bildgestaltung. Mit dem Line-up von 24mm (gerade erschienen), 35mm und 50mm hat Sigma seine Art-Reihe in den letzten Jahren kontinuierlich aufgebaut, ich bin mir sicher, dass in absehbarer Zeit ein 85er und eventuell ein 135 2.0 folgen werden. Damit hätte Sigma seinen Ruf als „Scherbenproduzent“ endgültig hinter sich gelassen. Es ist bemerkenswert, was die Jungs und Mädels von Sigma da in letzter Zeit auf die Beine gestellt haben: Von durchschnittlichen bis grottigen Linsen war alles dabei. Die Art-Serie legt nun schon zum x-ten-Male die Latte sehr hoch. Die sensationelle Verarbeitung und Bildqualität lässt sich Sigma bei allen Art-Linsen mit rd. 800,- Straßenpreis (+/- 50,-€) bezahlen. Die L-Pendants von Canon liegen durchweg 500,- € darüber. Ich bin mir sicher, das Canon außerhalb der L-Fetischisten Schwierigkeiten bekommen wird, diese Preisdifferenz zu begründen: Durch optische Qualität ist sie nicht zu begründen, um es zurückhaltend zu formulieren und ob die Gummiabdichtung den Unterschied rechtfertigt?

Inzwischen ruft Canon in meinen Augen auch für viele Linsen Preise auf, die einem alles Mögliche in die Augen treiben. Immer häufiger steht dort, wo früher schon eine 1 vorne für Schnappatmung sorgte, eine 2. Ob angesichts der Offensive, die Sigma mit der Art-Serie, aber auch Tamron mit dem neuen 15-30 2.8 (inkl. Stabi) gestartet haben, diese Preise auf Dauer durchzuhalten sind, bleibt abzuwarten. In meinem Koffer werden die roten Ringe immer weniger und die schwarzen Riesen von Sigma immer mehr.

Ich bin gespannt, wie Ihr das neue Sigma 50mm und den Wettbewerb zwischen Canon und den Drittanbietern seht. Hier noch ein paar Beispiele aus vergangenen Shootings (Bilder öffnen in neuem Fenster)

 

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


1 Comments:

  1. Gordon
    Mai 19, 2015

    danke für deinen Einblick.
    auch ich habe mir die 35mm 1,4 art linse von Sigma zugelegt. 50mm ist nicht so meins, aber ich warte auch sehnsüchtig darauf, mein 85mm 1,8 non-L auszutauschen.
    Bisher bin ich komplett zufrieden, aber mein 135mm 2L von Canon tausche ich nicht aus. Es ist mit abstand das schärfste Objektiv, was ich besitze.

    Gruß
    gordon


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