Der Qik:Strap von Oliver Kelkar oder auch: Das Bessere ist des Guten Feind

Eigentlich beschäftige ich mich nur mit Fotografie, um meinem ausgeprägten Leder-Fetischismus politisch korrekt und bürgerlich verdachtslos nachgehen zu können. Statt mich sonntags bei der Domina auf die Pritsche schnallen zu lassen, rieche ich mal wieder an meinem umfangreichen Arsenal an Taschen, Riemen, Gurten, Etuis usw. usw. So bleibt die unverdächtige Fassade erhalten und ab und an springt auch ein lustiger Blogpost über Neuigkeiten aus der Lederszene für Euch raus. (Keine Ahnung, ob der Google-Algorithmus mich nun auf den Porno-Index setzt, ist aber auch egal.)

Offensichtlich ist die Kunde von dieser kleinen frivolen Leidenschaft auch zu anderen gelangt, nicht anders ist zu erklären, dass Oliver Kelkar mir seinen „Qik:Strap“ titulierten Gurt einmal zum Anschauen und Ausprobieren zuschickte. Ich nahm seinen Gurt mit in den Schweden-Urlaub, um ihn einmal auf Herz und Nieren zu testen und anschließend ein wenig darüber zu fabulieren, was ich hiermit tue.

Eines vorweg: Der Qik:Strap ist nicht neu. Viele Fotografen haben solche Gurte entwickelt, mal früher, mal später. Dazu gehört Taschen- und Gurt-Freak Jörg Langer, der seinen Gurt jedoch nie auf den Markt brachte, aber auch die Jungs von Tap&Dye sowie Paddy Ludolph, der mit seinem Chief-Mate seit längerer Zeit am Markt ist. Dementsprechend hoch schlugen die Wellen, als Oliver seinen „selbstentwickelten“ Gurt im Netz ankündigte. In der facebook-typischen Erregungshysterie überschlugen sich die Fraktionen in gegenseitigen Lynchaufrufen, was ich hier nicht vertiefen und befeuern will. Fakt ist: Olivers Gurt ist nicht „selbstentwickelt“. Leider hat Oliver fast alles von Paddy’s Chief-Mate kopiert: Die grundsätzliche Technik der Befestigung, die Verpackung, selbst die Bilder für den Shop sind nahezu identisch aufgenommen. Das sagt nichts über den Gurt aus, es steht auch jedem frei, eine eigene Variante zu entwickeln und zu vermarkten, aber dann fände ich es schön, irgendwo auch eine eigene Note hineinzubringen oder zumindest auf Begriffe wie „selbstentwickelt“ zu verzichten. Ich weiß, wie lange Paddy über jedes Detail und die Fertigungsqualität seines Gurtes nachgedacht hat, daher hat eine relativ offensichtliche Kopie für mich leider auch einen etwas unschönen Hautgout.

 

Doch nun zum Gurt, den ich immer auch etwas mit dem Chief-Mate vergleiche, den ich ebenfalls besitze. Meinen Chief-Mate habe ich gekauft, Oliver hat mir seinen Gurt kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch über den Chief-Mate hatte ich einen Blogpost geschrieben, den Ihr hier findet.

Der Qik:Strap hat die gleiche Befestigungslogik wie die anderen erwähnten Gurte: Die Befestigungsringe der Kamera werden durch eine Stanzung am Gurt gedrückt, so dass dieser zwischen Ring und Kamera liegt und letztere schützt, schließlich wird ein Karabiner am Ring eingehakt. Das System ist auf den Bildern sicher erkennbar und geht nach einigem „Weichklopfen“ auch prinzipiell leicht von der Hand. Den Karabiner hat Oliver mit einem geflochtenen Band am Gurt befestigt und nutzt dabei eine Schraubverbindung, die das Bändchen mittels Quetschung im Gurt befestigt.

Bei Oliver könnt Ihr Euch Längen und Farben des Bändchens und auch die Lederfarben aussuchen, bei Paddy gibt es verschiedene Längen und Farben fertig im Shop. Ich hatte eine braune Version mit beigem Bändchen zur Verfügung, die an meiner XPro2 im Schweden Urlaub auch eine gute Figur machte. In der Länge waren sie nahezu identisch. Ich bin klassischer Arschträger, was Kameras angeht, ich habe die ungern unter der Achsel klemmen, daher darfs bei mir gerne etwas mehr sein.

Um Chief-Mate und Qik:Strap gerecht zu werden: Der Chief-Mate kostet regulär 125,-€, der Qik:Strap 69,-. Wir reden also über eine Preisdifferenz von 56,-€, die sich natürlich auch in der Qualität zeigt: der Qik:Strap ist definitiv die schlichtere Varainte: das Leder ist nicht gedoppelt, daher hat der Gurt auch keine Nähte, wo der Chief-Mate am Ende rund gestanzt und abgenäht ist, wurden dem Qik:Strap einfach die Ecken abgestanzt. Das Leder macht auf mich nicht den hochwertigen Eindruck des Chief-Mate, der heute noch köstlich nach Leder duftet. Die Kanten am Qik:Strap sind relativ scharf und der Gurt ist deutlich schmaler als der Chief-Mate.

Nachteil des Chief-Mate war seine anfängliche Steifheit und die konstruktionsbedingte Sperrigkeit des Karabiners. Der Gurt schmiegt sich nicht an die Kamera an, weil er oben an der Kameraschulter aufgrund des Karabiners nicht geknickt werden kann. Diesem Nachteil wollte Oliver durch einen kleineren Karabiner und die „Bändchen-Aufhängung“ beikommen, was ihm auch (teilweise) gelungen ist: Der Gurt nimm in der Tasche weniger Platz ein und knautscht sich besser. Definitiv ein Punkt für den Qik:Strap.

Leider traue ich der dünnen Bändchen-Aufhängung nicht wirklich: Der recht scharfkantige Karabiner wird -so meine Befürchtung- das Bändchen irgendwann durchscheuern, ausserdem habe ich Angst, dass das im Gurt festgequetschte Bändchen sich irgendwann löst, weil der Gurt sich durch die Schraube/Niete dort weitet. Diese vermutete Schwäche macht der Karabiner jedoch wieder mehr als wett: er ist so klein und geht so schwer auf, das das Lösen der Kamera vom Gurt echt an den Fingern wehtut und eine echte Fummelei ist. Punkt für den Chief-Mate.

Was bleibt:

Für den Qik:Strap spricht:

  • der Preis
  • die etwas größere „Knautschbarkeit“

 

Für den Chief-Mate spricht:

  • die definitiv bessere Qualität
  • das bessere Handling bei Abnehmen

 

Mein Fazit: Das Bessere ist des Guten Feind. Ich habe zwei Chief-Mates für meine Kameras, insofern stehen bei mir zwei „Mercedes“ in der Garage. Der Qik:Strap ist eine günstigere, aber eben auch längst nicht so schöne Variante des gleichen Gurtes, der aber natürlich auch seinen Zweck erfüllt. Jeder muss für sich entscheiden, was ihm ein solcher Gurt wert ist. Natürlich ist es nicht erforderlich, sich einen wunderbar genähten Gurt für 125,- € zu kaufen, einige halten bereits den Gedanken daran für völlig bekloppt. Ich hingegen mag wertige Dinge und bin bereit, dafür auch Geld auszugeben. Insofern bin ich eher ein Chief-Mate-Typ. Wer einen günstigen Gurt sucht, ist mit dem Qik:Strap sicher gut bedient.

 

Hier noch ein paar Bildchen in groß:

 

 

 

 

 

 

 

About the Author:
Hat Geschichte studiert und will mit Bildern Geschichten erzählen. Wenn er fotografiert ist er glücklich, wenn die Fotografierten glücklich sind, ist er erst recht glücklich. Autodidakt mit aktueller Tendenz zum Weniger ist Mehr.


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